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KURZBIOGRAFIE & DISKOGRAFIE
(PDF DOWNLOAD)

 

 

Die vollständige, deutschsprachige Bandhistorie
von 1974 bis 2016 auf 385 Seiten und
über 1500 Fotos

 


 

Alle relevanten Veröffentlichungen von 1979 bis 2015
auf 56 Seiten mit über 500 Abbildungen

 


 



Rund 100 Ausschnitte aus den Jahren 1980 bis 2015
 

 

    SPECIAL FEATURES
    EXKLUSIVE INTERVIEWS - STORYS - KONZERTBERICHTE - FAN EVENTS - TV AUFTRITTE - HINTERGRUND

 


I N T E R V I E W:

GRAHAM WEIR

 

Graham Weir war festes Bandmitglied bei OMD in den Jahren 1984 bis 1988.
Gemeinsam mit seinem Bruder Neil spielte er dort diverse Blasinstrumente, Gitarre
und Keyboard und war auch als Songschreiber beteiligt.

Graham arbeitet mittlerweile als Direktor der „
Ian Tomlin School of Music“,
die eingegliedert ist in die Napier Universität in Edinburgh/Schottland.
 

Interview von Hagen Schmitt  (geführt im April 2005)
Übersetzung der Fragen ins Englische von Kerstin Peter
Übersetzung des Interviews ins Deutsche von Hagen Schmitt.

special thanks to Jim Doyle

 

 


OMD 1986 (links Graham Weir)

 

Graham, bitte erzähle uns doch mal - wie kam es damals eigentlich
zur Zusammenarbeit der ‚Weir Brothers’ mit OMD?

Neil und ich hatten als Bläserensemble in Schottland mit verschiedenen Bands zusammengespielt. Die Band „Fiction Factory“, an deren Album wir mitgearbeitet hatten, wurden vom gleichen Management betreut wie OMD – „Worldchief“.
OMD hatten damals „Junk Culture“ aufgenommen und dabei auf einigen Tracks mit einem Bläserensemble zusammengearbeitet. Wir wurden gefragt, ob wir ein paar Termine in England zusammen mit OMD wahrnehmen könnten, auch TV-Auftritte für die damals veröffentlichte Single „Locomotion“. Als sie merkten, das wir außer Blasinstrumenten auch alle anderen Instrumente spielen konnten, die sie uns in die Hand drückten, fragten sie uns, ob wir nicht auch an der Welttournee teilnehmen wollten, um den Songs verschiedene Gitarren- Keyboard- und Bassparts hinzuzufügen, die normalerweise fehlten. Wir gaben unser Bestes, um uns unentbehrlich zu machen, also fragten sie uns schließlich, ob wir nicht bei ihnen bleiben wollten.

Kanntest Du zur damaligen Zeit OMD, bzw. ihre Songs?

Nicht besonders gut. Ich mochte viele ihrer Singles, besonders „Souvenir“, die beiden
„Joan Of Arc“-Songs und ich hatte mir „Messages“ gekauft.
Neil war kein Fan.

War es für Dich als ausgebildeter und notenfester Musiker nicht gewöhnungsbedürftig, mit einer
elektronisch ausgerichteten Band wie OMD zusammenzuarbeiten? Andy und Paul komponierten
doch eher autodidaktisch zusammen und mit Hilfe ihrer ganz eigenen Art der Notation.
Hast Du dich nicht in gewisser Hinsicht musikalisch unterfordert gefühlt?

Nein, nicht unbedingt. Obwohl wir klassisch als Musiker ausgebildet waren, waren wir beide offen für alles, waren Mitglieder in Bands und spielten dort Gitarre und Keyboards. Wir beide liebten "Pink Floyd", "Tangerine Dream" und andere experimentelle Gruppen, und ich liebte "Kraftwerk". Nachdem ich Andy (McCluskey) dann kannte fand ich eines Tages heraus, das wir damals als Jugendliche oft die gleichen Schallplatten gekauft hatten. "Do The Standing Still" von The Table verkaufte etwa zwei Exemplare in England - eine an Andy und eine an mich. Andy und ich sind auch große Fans von Leonard Cohen und wir alle interessierten uns für die von  Stockhausen/Boulez beeinflussten Komponisten.

Technisch gesehen war es ziemlich schwierig, bzw. hart für Neil und mich in dem Sinne, daß Andy und Paul sich keine Gedanken über die letztendliche Tonhöhe der Songs mit Blasinstrumenteneinsatz machten, da sie meistens gesampelt und anschließend durch den Fairlight gejagt wurden. Songs wie „All Wrapped Up“ waren dann plötzlich auf die Tonart F erhöht, was ziemlich hart war für uns.
 


Graham Weir 2005
 

Hattet ihr zu Beginn eurer Zeit bei OMD, im Besonderen während Eurer ersten Tournee 1984,
negative Erfahrungen mit Fans machen müssen, die mit dem musikalischen Richtungswechsel
von OMD ganz und gar nicht einverstanden waren?

Während der ersten Tour, nein. Wir wurden von jedem enthusiastisch aufgenommen, mit dem wir sprachen und der die neue Richtung mochte. Das gute an der Sache war ja, das aus OMD nicht gleich eine dieser von Bläsern dominierenden Funkband wurde, sondern es war nur eine andere musikalische Struktur auf dem nach wie vor gleichen elektronischen Hintergrund. In den folgenden Jahren dann hatte ich einigen Einfluss auf die Art der Musik; ich war (und bin immer noch) ein großer Fan von Soul- und Dancemusic und ich denke, ich lenkte Paul und teilweise auch Andy hin zu mehr souligen, schwarzen Künstlern und dieser Einfluss begann sich dann ein wenig in die Musik einzuschleichen. Einige mögen sagen, das war keine gute Sache …

Zur Aufnahme der "Brass Version" von "Julia's Song" (die ich persönlich sehr mag) waren
Du und Neil 1984 zum ersten mal mit OMD zusammen für Aufnahmen im Studio. Wie kam es eigentlich
zu dieser Neuaufnahme und wessen Idee war es ? Hast Du noch Erinnerungen daran,
wie die Aufnahmen damals abliefen?

Wir hatten den Song während den Proben in Belgien laufen und Neil und ich hatten die Bläser-Riffs hinzugefügt. Als wir dann später verschiedene Aufnahmen in einem Studio in Brüssel machten vervollständigten wir den Track. Er endete schließlich als B-Seite, soweit ich mich erinnere. Ich kann mich kaum an die Aufnahme erinnern - Tonstudios sind überall auf der Welt gleich.

Du warst als Songwriter an einem der größten Hits von OMD – "Forever Live & Die" – beteiligt.
Welche Empfindungen hattest du damals dabei? Du warst plötzlich ein Hit-Komponist...

Woher weißt Du das alles?!! Es war ein gutes Gefühl, zweifellos. Ich bin der Meinung, es ist ein wunderbarer Song, aber um ehrlich zu sein, es ist hauptsächlich Paul’s Song. Er hatte ihn bereits geschrieben und Martin Cooper hatte ein sehr stilvolles Saxofon-Break für die Mitte des Liedes dafür abgeliefert. Ich war schon immer gut darin zu erkennen, welche Musikstile bei Songwritern während des Schreibens mit eingeflossen waren und als "Slave To The Rhythm" von Grace Jones zu dieser Zeit ein großer Hit war, war es offensichtlich, woher der Groove von Paul’s Song ursprünglich stammte. Ich fügte dem Song im Liverpooler‚Amazon Studio’ einige Gitarrenspuren hinzu und als der Song langsam Gestalt annahm, konstruierte ich einen groovy, (aber lächerlich identischen!) Rhythmuspart, basierend auf dem von "Slave To The Rhythm". Das machte den Song mehr funky, also passte nun  Martin’s Saxsolo nicht mehr so gut dazu. Ich ging ins Studio, sang die Abfolge der Bläser- und Streicherstimmen in einem Versuch dazu und spielte sie dann auf einem Emulator-Keyboard. Für diese Arbeit habe ich einen Anteil an den Songwriter-Credits erhalten, den ich mir mit Neil zusammen teile und der Rest ist Geschichte.

Hier ist eine Veranschaulichung über Plagiation in Aktion: Die Basslinie von "Forever Live And Die" ist dieselbe wie die von "Sexy Thing", einem viele Jahre zuvor veröffentlichten Titel von "Hot Chocolate". "You Sexy Thing" wurde um 1989 herum wiederveröffentlicht und wurde ein großer Hit. Doch war der Song neu geremixt worden und enthielt nun den komplett gestohlenen Bläsersatz von "Forever Live And Die"! Er hat das gleiche triolische Feeling. Das ironische daran ist nun wieder, das ich mir den Bläsersatz damals beim Song „Rosanna“ von "Toto" abgeschaut hatte.

Mit "Shame" dagegen, einem weiteren Song, an dem du beteiligt warst, habt ihr im Anschluß daran
leider einen massiven Flop in den Charts gelandet ...

Ja, das war wirklich eine “Schande”. Ich schrieb den Song so gut wie im Alleingang und auf der Single habe ich auch fast alle Instrumente selbst eingespielt. Das war wahrscheinlich der Grund, warum alles mit diesem Song falsch lief, denn er war letztendlich etwas leblos. Kim Wilde besuchte uns damals  während der "Pacific Age"-Tour in Australien und sie erzählte mir, "Shame" wäre der herausragende Track des Albums. Was mich dazu veranlasste darüber nachzudenken für sie zu komponieren (und darüber sie zu heiraten!), aber es kam nicht dazu.
 


ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK
mit Graham Weir (2. v. l)

 

In diversen Interviews wird oft erwähnt, das es ohne die "Stimmungmacher’ in Form der "Weir Brothers" während der endlosen USA – Auftritte zwischen 1986 und 1988 wohl ziemlich düster innerhalb der Band ausgesehen hätte. Wie siehst du heute diese Zeit und die Zeit ‚on tour’ überhaupt?

Auf Tournee zu sein war die beste Sache überhaupt! Ich hatte seitdem sicherlich viele weitere  Höhepunkte in meinem Leben, aber als junger, ungebundener Mann war es, als würden alle Träume wahr werden – ein Haufen Geld, wunderbare Hotels, tolle Länder und nur ein paar Stunden Arbeit täglich. Es gibt schon auch eine Menge Langeweile und oft hängt man einfach nur den ganzen Tag herum, aber wir machten einfach fröhlich weiter und hatten riesigen Spaß. Neil und ich sind ehrlich gesagt auch bekannt dafür, das wir nie ernst bleiben können und Mal Holmes ist genauso abgedreht, also hatten wir einige großartige Momente voller Albernheit und dummen Spielchen.

Und hast du dabei noch spezielle Erinnerungen an Deutschland?

Einige… Die Verpflegung hinter der Bühne beschränkte sich in den meisten Fällen immer auf  “Weinerschnitzel” … ich war sehr erfreut darüber, Dr Mueller’s Sex Shop im Frankfurter Flughafen zu entdecken, und noch mehr darüber, James Brown darin zu treffen ... gute Clubs in München ... als wir ein Open Air in einem Park in Hamburg spielten und die Bühne mit China Crisis in Beschlag nahmen ... Das Festival in Paderborn mit vielen Besuchern in Gestalt von britischen Soldaten … Berlin in der Zeit vor der Vereinigung … eine bescheuerte TV Show in der wir auftraten, irgendwas mit “Pop...”
 


Graham Weir kurz vor einem Auftritt mit "Forever Live & Die"
im deutschen Fernsehen 1986
 

War es schwer für dich und Neil, eure eigenen musikalischen Ideen gegenüber den Hauptsongwritern Andy und Paul einzubringen oder durchzusetzen? Mit ein Grund für den OMD-Split 1989 soll ja auch die Tatsache gewesen sein, das ihr, wie auch Malcolm und Martin, mehr in den kreativen Songwriting-Prozess involviert sein wolltet.

Ich war begierig darauf zu schreiben – ich hatte Millionen an Ideen von denen ich dachte, sie wären großartig, aber rückblickend waren sie zu komplex und kompliziert. Ich versuchte Andy seine Songideen auszureden, weil ich oft dachte sie wären anmaßend. Na ja, es hat ihn nicht viel gekümmert, aber er hat mich während der Aufnahme von "The Pacific Age" gnädigerweise nach ein paar meiner Ideen gefragt.

Ich denke, dies hat teilweise eine Rolle gespielt in Bezug auf die Spannungen und die darauffolgende Trennung, aber da waren noch andere Faktoren, wie z. B. der vom marketingtechnischen Standpunkt aus gesehene, riesengroße Fehler, für den größten Hit in den USA, "If You Leave", kein Album im Rücken gehabt zu haben, das sich unterstützend auf den Verkauf ausgewirkt hätte. Wir tourten unablässig und erbarmungslos und ich denke, dadurch wurde die Kreativität von Andy und Paul möglicherweise etwas in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Zeit begannen wir uns während all dieser Tourneen ein wenig auf den Wecker zu gehen, wir hatten Freundinnen oder Ehefrauen, so war also die Aussicht, direkt im Anschluß nach einer anstrengenden Tour für weitere drei Monate in ein Studio zu gehen wenig attraktiv für uns alle. Paul ist ein sehr netter Typ und Andy ist jemand mit einem sehr starken Willen, was zur Folge hatte, das, als Andy mit Plänen für eine neue Richtung in Sachen OMD ankam und Paul nicht daran interessiert war, beide damit begannen, ihre eigenen, getrennten Wege zu gehen.

Viele Fan's waren damals wie auch heute der Meinung, daß "Virgin", die Plattenfirma von OMD, die Band nie genug, bzw. gut genug vermarktet hat. Wie denkst Du darüber? Könnten OMD heute, wären sie konsequenter vermarktet worden, ähnlich populär sein und Kultstatus besitzen wie beispielsweise "Depeche Mode" oder "New Order"?

Ich kann das wirklich nicht beantworten; ich war nie an irgendwelchen Aktionen bezüglich Marketing oder an Geschäften mit der Plattenfirma beteiligt.

Wie ich bereits erwähnte, ich bin der Meinung, das es ein schwerwiegender Fehler war, kein Album zu haben,
als "If You Leave" ein Hit in den US-Charts wurde. Ich denke auch, eine Menge Singles waren einfach schwach; die Band war bereits lange Zeit einem Hit erfolglos hinterhergerannt und dies war auch weiterhin so als ich dabei war.

An welchen Songs von OMD haben Du und Neil eigentlich maßgeblich mitgewirkt,
ohne namentlich als Songwriter genannt worden zu sein?

Das ist schwierig in eine bestimmte Zahl zu fassen und die Antwort könnte Probleme verursachen.
 


Graham Weir 1986
 

Wie kamst du damals mit den einzelnen Mitgliedern von OMD zurecht und habt ihr heute
eigentlich noch Kontakt untereinander?

Wir sind alle gute Freunde. Mit Andy hatten wir zeitweilig eine schwierige Phase, aber wir gingen ihm in dieser Zeit einfach aus dem Weg. Heute sind Neil und Mal sehr gute Freunde (Mal war Neils „Best Man“ * bei seiner Hochzeit) und Mal und Mart stehen sich nach wie vor nahe. Wir alle wissen über den anderen Bescheid, nur sehen wir uns nicht sehr oft. Ich habe Andy in Liverpool gesehen und hatte ein paar gute Sessions. Paul habe ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Es gibt keine negativen Stimmungen untereinander, es ist nur so, das sich unsere Lebenswege in verschiedene Richtungen geführt haben.

*) Freund des Bräutigams, der bei der Ausrichtung der Hochzeit eine wichtige Rolle spielt.

Gibt es etwas Neues über deinen Bruder Neil zu berichten?
Was macht er zur Zeit?

Neil arbeitet wie ich im Bereich der Ausbildung. Er ist ranghoher Dozent in einem College im Westen von Schottland. Er ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn und spielt immer noch, wann immer er die Zeit dazu findet. Er und Mal verbrachten die letzte Woche zusammen.

Wie hast Du persönlich die langsame Trennung von Andy McCluskey und Paul Humphreys erlebt? Wann gab es deiner Meinung nach die ersten Anzeichen dafür?

Wie ich bereits oben schon erwähnte – es war um 1987 herum, während der "Pacific Age" und "Best Of" – Tour. Es gibt nicht viel dazu zu sagen, sie waren immer noch Freunde, aber alle machten eine Entwicklung durch und hatten andere Interessen.

Waren Du und Neil bis zum Ende der Band aktiv bei OMD dabei oder hattet ihr die Band schon früher verlassen? Auf "Dreaming" aus dem Jahre 1988 ist für mich kein Einfluss von eurer Seite aus erkennbar. Bei "Satellite", dem Song auf der B-Seite, meine ich zwar eine Posaune heraus zu hören, die kann allerdings auch gesampelt sein.

Ich habe keine Ahnung, ob ich an "Satellite" beteiligt war – ich habe das Stück noch nie gehört! Sollte ich doch daran mitgewirkt haben, werde ich natürlich sofort mal mit Andy telefonieren!

In Wirklichkeit hassten wir alle "Dreaming", schon als es das erste Mal während den "Crush" - Sessions auftauchte. Andy liebte den Song, bekam ihn aber nie auf ein Album, zumindestens solange nicht, bis OMD “seine” Band war.

Ich kann mich nicht an das genaue Datum erinnern, aber ich glaube, es war 1988, als wir als Supportband von "Depeche Mode" durch die USA tourten. Es war bereits die dritte Tour als Vorband einer Reihe von Bands, die zu Hause in England auch nicht bekannter waren als wir und sie alle eroberten die Staaten. Neil und ich spürten, das die Zeit dafür gekommen war, etwas anders zu machen, also sagten wir den Jungs, das wir nach dieser Tour die Band verlassen wollten, was wir dann auch taten. Ich schrieb danach noch mit Andy gemeinsam am nächsten Album mit, aber keine dieser Ideen schaffte es letztendlich auf “Sugar Tax”.
 


Die "Weir Brothers" 1984
 

Wie erging es dir persönlich nach dem Split der Band? Wie würdest du deine damalige Gemütslage beschreiben – warst du froh, das es endlich vorbei war und hast dabei positiv in die Zukunft geblickt oder gab es eine emotionale Krise, während der du nicht wusstest, was die Zukunft bringen wird? Was hast du in der ersten Zeit nach OMD getan?

Nein, ehrlich gesagt war ich ziemlich unglücklich. Es war ein fantastisches Leben, ein großartiger Haufen von Typen waren wir, und wir hatten die ganze Welt zusammen bereist, hatten Freunde in den verschiedensten Orten. Es war hart, dies alles und auch das Geld, das wir dabei verdienten, aufzugeben. Aber es machte einfach keinen Spaß mehr und es war offensichtlich, das es zu einem Ende kam. Also war der richtige Zeitpunkt gekommen um zu gehen. Ich hatte damals ein nettes Mädchen getroffen, sie heißt Lorene und ist auch meine Ehefrau geworden, also war ich damals darüber mehr aufgeregt! Mal und ich haben was zusammen geschrieben, doch hatten wir weder keine klare Vorstellung davon, was dabei letzten Endes herauskommen sollte, noch hatten wir viel Antrieb, also fiel das ganze flach. Ich begann dann damit , für das Fernsehen und für Werbespots Musik zu schreiben, was meine kreativen Bedürfnisse sehr befriedigt hat. Mittlerweile bin ich ein Experte in Sachen MIDI Technologie, vor allem was "Cubase" betrifft und ich wurde dann schließlich Lehrer auf diesem Gebiet.

Hast Du die Weiterführung von OMD in den 90er Jahren durch Andy McCluskey mitverfolgt
und wenn ja, wie ist deine Meinung darüber?

Schön – ich war auf seiner „Sugar Tax“ – Party aus Anlass der Veröffentlichung in Edinburgh und hörte mir ein paar der Songs des Albums an. Dann gingen wir raus und betranken uns alle ziemlich fürchterlich. Ich denke, "Sailing On The Seven Seas" war ein sehr guter Song. Andy hat ein gutes kommerzielles Gespür und schreibt gute Melodien, also verdient er den Erfolg. Ich denke, OMD starben einen natürlichen, würdevollen Tod – ein paar Singles und Alben und dann sind sie verpufft.

Andy kann immer noch nicht tanzen. Sein "Atomic Kitten" – Projekt war inspiriert, aber andererseits nicht unbedingt sehr einfallsreich. Ohne Frage hat er sehr viel Arbeit dort hineingesteckt und wurde angemessen dafür geehrt. Am besten ist es, den Mantel des Schweigens über sein Eurovision-Projekt zu legen!

Es gibt eine Remix-Version von "Pandora’s Box" mit vorzüglichem Bläsersatz, der sogenannte
“Abstract Mix”, welcher sehr an die Kombination Weir Brothers/OMD der achtziger Jahre erinnert.
Kennst Du diese Version des Songs?

Nein und ich erwähne nochmal, ich wäre auch in diesem Fall interessiert daran zu erfahren,
ob ich es bin, der darauf mitspielt.

Ende 2004 gab es eine Diskussion darüber, ob es sinnvoll ist, OMD im Rahmen der "Here & Now" – Tour
nochmals auf die Bühne zu bringen. Was denkst du darüber und würdest du dich daran beteiligen?

Um der alten Zeiten willen würde ich es gerne tun, aber ich bin zu beschäftigt, um an einer solchen Tour teilnehmen zu können. Ich bezweifele aber, das ich überhaupt gefragt werden würde – diese Art von "Tour" braucht gewöhnlich nur den Namen des Künstlers, in Verbindung mit einer vom Haus zur Verfügung gestellten Band. Ich wünsche ihnen viel Glück – wenn es ein Publikum dafür gibt - warum nicht?
 


 

Mit welchen Musikern hast du außer OMD eigentlich noch zusammengearbeitet?
Auf welchen Platten anderer Künstler bist du noch zu hören?

‘Crowded House’ hatten uns in Australien als Vorband unterstützt, als sie sich gerade formiert hatten. Wir diskutierten die Idee von Neil und mir, der Gruppe für eine bereits gebuchte, große  Tournee durch die USA beizutreten. Aber es wurde nichts daraus, da wir mit OMD bereits zu Auftritten in Japan und dem Fernen Osten unterwegs waren. Ich frage mich manchmal, wie dann wohl alles seinen Lauf genommen hätte, hätten wir diese Idee damals umgesetzt ...

In den achtziger Jahren arbeiteten wir mit all diesen schottischen Bands wie ‘Wet Wet Wet’, ‚Love and Money’, ‚Hue and Cry’, ‚Spirea X’; ich kann mich nicht mehr an alle Namen erinnern. Wir arbeiteten mit Van Morrison und ich spielte einmal Gitarre auf einer Single der ‚Pale Fountains’!  Heutzutage machen wir nicht mehr viel, es sei denn, wir mögen den betreffenden Künstler wirklich sehr gerne. Wir hatten vor kurzem ein paar Aufnahmen und Auftritte mit einer großartigen Gruppe namens ‚Mull Historical Society’ getätigt, um die zur Zeit ziemlich viel Wind gemacht wird. Wir spielten mit ihnen in England, USA und in Europa, außerdem machten wir ein paar TV-Auftritte mit ihnen, zusammen mit traditionellen (Folk) -Musikern.

Du bist nun Kopf der ‚Ian Tomlin School of Music’ in der ‚Napier University’ in Edinburgh.
Kannst du uns etwas über deine Arbeit dort erzählen?

Ich hatte im Bereich Unterricht bereits seit 1990 auf einem College für Fortbildung gearbeitet. Im Jahr 2000 dann bekam ich das Angebot der Napier Universität, dort ein akademisches Fach für ‚Populäre Musik’ zu entwickeln und zu etablieren. Ich nahm das Angebot an und vor zwei Jahren wurde ich dort der Boss. Die Universität befindet sich auf einem wundervollen Campus in Edinburgh, ein sehr angenehmer Ort zum arbeiten. Wir bieten Fächer an für klassische-, sowie auch für populäre Musik und bieten den Studenten ein großes Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten in den verschiedensten Stilarten. Wir haben sehr hervorragende Mitarbeiter und gute Verbindungen zu verschiedenen Instituten weltweit.

Wir bieten den Sommer über eine Reihe von Kursen an, wie beispielsweise  eine Jazz Schule, Rock Schule, eine Orgel Akademie, Gesangsausbildung und die ‚Pacific Northwest Filmmusik Schule’ – das weltweit bedeutenste Programm für Filmmusik, welches geleitet wird von ‚Emmy Award for Composer ’- Gewinner Hummie Mann.

Ich kam gerade von einem einwöchigen Aufenthalt in Los Angeles zurück, wo ich daran mitarbeite, Verbindungen zu Partnerinstituten zu knüpfen und die Förderung des Wachstums unserer Arbeit im Bereich Filmmusik dort auszubauen.

Ich bin täglich in alle musikalischen Richtungen involviert – von Klassik bis hin zu Jazz und Rock, aber meine wahre Liebe gilt der Dance Music, dabei ganz besonders Trance. Meine Sommerferien verbringe ich immer in Ibiza und versinke in der dortigen Szene. Im Grunde meines Herzens bin ich ein Hippie!
 


G
raham heute - Direktor der Musikabteilung der Edinburgh Napier University
 

Wie würdest Du abschließend Deine Zeit mit OMD zusammenfassen?

Wenn ich auf die alten Zeiten zurückblicke muß ich sagen: Es war ursprünglich nie meine Absicht, OMD als festes Mitglied beizutreten. Ich wollte einfach nur Musik spielen und die Welt kennenlernen und Neil und ich wussten, das wir vielleicht irgendwann mal einen Anruf - von wem auch immer - bekommen würden, der uns diesen Traum erfüllen würde. Als wir dann bei OMD dabei waren, konnte es keinen besseren Haufen an netten Typen geben und ich bin dankbar für diese Erfahrung. Ich habe das Ganze nie professionell weiterverfolgt – meine Popmusik-Karriere endete, als ich OMD verließ, aber im Verhältnis zu meiner bisherigen Lebenserfahrung spielte es eine große Rolle. Es gab mir einen Einblick in die Natur des Menschen, die man nur erfährt, wenn man die Welt so gesehen hat, wie ich es tat. Ich mache es mir zur Regel, nicht sehr oft über die Vergangenheit nachzudenken, aber ich erinnere mich an  jedem Tag meines Lebens an OMD, wenn ich all die goldenen Schallplatten an meiner Wand anschaue und alle Erinnerungen sind gute Erinnerungen.

Ich wurde damals auf der Bühne während "Souvenir" nie benötigt, ein Lied, das ich bis heute liebe. Also stand ich während jeder Tour und in jeder Nacht in einem verborgenen Winkel der Bühne und beobachtete die Zuschauer dabei, wie sie den Song mitsangen. Tausende von Menschen lächelten und genossen ihren ganz besonderen Abend und ich sagte zu mir: "Eines Tages wirst du dich an all dies hier erinnern".

Und ich tue es.

Vielen Dank für das Interview Graham und für deine weitere Zukunft
wünschen wir dir alles Gute!

 

Mehr Infos zu Graham Weir unter:

http://www.edinburghnapiermusic.co.uk/graham-weir/

 



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